Fronleichnam 2014 – ein berührendes Fest des Glaubens: Eindrücke und mehr …

Am Fronleichnamstag, der seit einigen Jahren gemeinsam mit allen Gemeinden der Pfarrei St. Gertrud begangen wird, versammelten sich wieder katholische Gläubige aus ganz Wattenscheid in der Freilichtbühne zur Eucharistiefeier. Auch Kindergarten- und Kommunionkinder waren wieder dabei. Im Anschluss an die Heilige Messe machten wir uns auf den Prozessionsweg, der uns durch die Stadt zur Propsteikirche St. Gertrud führte. Unterwegs machten wir nach guter alter Fronleichnams-Tradition Station zum Gebet.

Die erste Gebetsstation war am Marienhospital. Sie wurde von der Krankenhausseelsorgerin Frau Bein und von Kindergartenkindern vorbereitet und gestaltet. Es tat gut, an dieser Stelle besonders für unsere Kranken zu beten. Die Kinder haben uns dann auf ihre Weise und mit einem fröhlichen Lied noch einmal daran erinnert, was für ein Fest wir da eigentlich feiern, bei dem wir unseren Herrn durch die Straßen der Stadt tragen: ein fröhliches Fest, ein Fest des Glaubens daran, dass Gott es von Herzen gut mit uns allen meint!

Der weitere Weg führte uns am August-Bebel-Platz vorbei, dieses Mal nicht zum Kolpinghaus, wie im letzten Jahr, sondern, vielleicht zur Überraschung des einen oder der anderen, zur evangelischen Friedenskirche. Schon von weitem hörbar, läuteten uns die Glocken der Friedenskirche ihren Willkommens- und Friedensgruß über die Dächer der Innenstadthäuser zu. Dass der Klang der Glocken der Friedenskirche mit dem Angelus-Geläut der Propsteikirche zusammenfiel, war ein besonders schönes „ökumenisches“ Klangerlebnis – nicht geplant, aber vielleicht ein hoffnungsfrohes Zeichen der Zeit …

Als wir die Friedenskirche betraten, erwarteten uns bereits Pfarrerin Vogt und weitere evangelische Christinnen und Christen. Wir wurden sehr freundlich empfangen und in die Kirche eingeladen. Das Pastoralteam wurde in den Chorraum gebeten; die Monstranz mit dem Allerheiligsten trugen wir in den Händen bei uns. Nach und nach füllte sich die Kirche mit katholischen Gläubigen – bis auf den allerletzten (Steh-)Platz. Eine angenehme, erwartungsvolle Stille breitete sich im Raum aus, als alle versammelt waren. Frau Pfarrerin Vogt und einige andere evangelische Christinnen hatten eine kleine Gebetsandacht vorbereitet. Was wir erleben durften, war eine sehr berührende Andacht. Es wurden einfühlsame Gebete vorgetragen, Gebete, in denen die Trauer über die Spaltung der Christenheit Raum hatte, und auch und vor allem der Wunsch nach Einheit unter den christlichen Konfessionen. Ich glaube, dass diese Gebete nicht nur mich tief im Herzen berührt haben. Es war nicht schwer, in diese Gebete mit einzustimmen. Die Lesung aus der Heiligen Schrift, die vorgetragen wurde, konnte passender kaum sein: Paulus ermutigt im Epheserbrief zur Einheit des Leibes Christi in der Vielheit und Verschiedenheit seiner Glieder. Zum Schluss spendete Frau Pfarrerin Vogt den aaronitischen Segen – sicherlich ein Höhepunkt der Feier: Eine evangelische Pfarrerin spendet ca. 250-300 vor allem katholischen Christinnen und Christen den Segen Gottes. Mir wurde dabei ganz warm ums Herz. Der Friede, der sich mit den Worten der Pfarrerin im Raum ausbreitete, war für mich spürbar – und die Gänsehaut, die sicher nicht durch Kälte kam, auch! Nach dem Segen stimmte die Blaskapelle, die uns während der gesamten Prozession begleitete, das Lied „Laudate omnes gentes“ an – ein Loblied, das man in der ökumenischen Bruderschaft in Taizé in Frankreich, und inzwischen auch in vielen anderen Ländern in ökumenischer Verbundenheit im Gottesdienst singt. Es war vorgesehen, das Lied zweimal zu singen und dann aus der Kirche auszuziehen. Als aber nach dem Gesang Stille eintrat, da fühlte und dachte ich: Jetzt, gerade jetzt müssten wir das Lied weitersingen! Ich hatte den Gedanken kaum zu Ende gedacht, da begann eine Frau in der Kirche zu singen: Laudate omnes gentes – und die ganze Gemeinde stimmte in den Gesang mit ein. Mehrstimmig und ohne Instrumente sangen wir solange, bis alle aus der Kirche ausgezogen waren. Wir gingen, weiter singend, zur Propsteikirche, wo die Prozession nach dem feierlichen Schlusssegen endete. Danach waren alle noch zur Begegnung auf der Kirchenburg eingeladen.

Ich kann für mich sagen: Ich fühle mich immer noch tief berührt von diesem Fronleichnamstag und vor allem von der ökumenischen Begegnung in der evangelischen Kirche. Danke der evangelischen Gemeinde mit Pfarrerin Vogt und danke Propst Plantzen! Ich hoffe und wünsche mir, dass wir in Wattenscheid und auch über Wattenscheid hinaus als evangelische und katholische Christen weiter zusammenwachsen und dass immer mehr und immer öfter mutige Schritte des Friedens wie dieser am Fronleichnamstag 2014 möglich werden.

(Anke Wolf, Gemeindereferentin St. Johannes, Wat-Leithe)