Tun, was uns eint – Bericht von der ökumenischen Agapefeier am 18. März 2015

2015_Maerz_AgapefeierGut 80 katholische und evangelische Christinnen und Christen aus Bochum, Wattenscheid und Essen waren am Abend des 18. März 2015 im Begegnungszentrum maGma in Wattenscheid-Höntrop zusammengekommen, um miteinander Agape zu feiern – und wir erlebten vielleicht ein Stück Kirche der Zukunft.

Der Initiative des Teams „Manege frei – Kirche auf dem Drahtseil“ in der Gemeinde St. Maria- Magdalena in Wattenscheid-Höntrop hatte sich die evangelische Gemeinde Höntrop, die Evangelische Stadtakademie und das Katholische Forum Bochum sowie der Katholikenrat für Bochum und Wattenscheid als Kooperationspartner angeschlossen.

Auslöser war ein Buch mit dem Titel „Agape – Sinn und Form einer ökumenischen Laienliturgie“, hrsg. von Werner Patzelt und Gerlinde Back von der action 365 in Frankfurt.

In seiner Begrüßung betonte der Sprecher des Manege-frei-Teams das Besondere dieses Abends: Kein Diskussionsabend über Ökumene, sondern „Miteinander tun, was uns eint“. Nach Jahrzehnten der Diskussion und der Konsenspapiere könne uns die Wiederentdeckung einer frühchristlichen Praxis neu zusammenführen und ermutigen, miteinander neue Erfahrungen zu machen.

Agape – das griechische Wort bedeutet LIEBE – nannten die Christen der nachapostolischen Zeit ihr Zusammenkommen zu einem religiös gestalteten Mahl zugunsten der Armen und zur Pflege der christlichen Gemeinschaft. Sie versammelten sich im Haus eines Gemeindemitglieds, das diese Feier auch leitete.

Diese Praxis einer christlichen Laienliturgie hat die action 365, eine ökumenische Laienbewegung, aufgegriffen und in Anlehnung an die urchristlichen Zeugnisse neu belebt, wie Frau Gerlinde Back, Mitautorin des Buches und Mitglied im Vorstand der Stiftung Haus der action 365 betonte. In ihrer Hinführung hob sie den Gemeinschaftscharakter der Laienliturgie hervor, die im gemeinsamen Priestertum aller Getauften gründet.

Die Mahlfeier knüpft an Jesu Praxis an, der seine Botschaft oft im Rahmen eines Mahles verkündete. Zugleich ist die Agapefeier klar zu unterscheiden von der Feier des Abendmahles und Eucharistie. „Eine Agapefeier ist wirklich nicht mehr als eine Mahlzeit, während der man allerdings ausdrücklich über den Glauben spricht, diesen auch zeichenhaft, in möglichst dichter Stimmung zum Ausdruck bringt – und den Heiligen Geist zu keinem anderen Zweck anruft, als dass er gleichsam die Herzen berühre, den Mund öffne und die Ohren auftue. So ausgerichtet, taugt die Agapefeier als Herzkammer christlichen Lebens in priesterarmen Gesellschaften und als liturgischer Kern geistlicher Laienbewegungen.“ (in: Agape, a.a.O. S. 19)

Diese dichte Atmosphäre erlebten die Versammelten, die sich an 10 Tischen verteilt hatten. Diese waren ansprechend vorbereitet, u.a. mit Blumen, einem Fladenbrot und je einem Glaskrug mit Traubensaft und Wein. Die Feier begann mit einem Gebet und einem gemeinsamen Lied. Dann folgte eine biblische Lesung. Mit Hilfe von gezielten Impulsen der Leitung kamen intensive Schriftgespräche an den Tischen in Gang.

Mit einer Erinnerung an die Emmausgeschichte und dem Kanon „Herr, bleibe bei uns“ leitete Frau Back über zum Gabengebet; es ruft die Bedeutung von Brot und Wein in Erinnerung und lädt zum Essen des Brotes ein, „das uns eint“. An den Tischen wurden Brot und Wein/Traubensaft miteinander geteilt, und die Gespräche konnten weitergeführt werden. Dann wurden kleine Brote verteilt: zum Mitnehmen für Daheimgebliebene, Freunde, Kranke … Mit dem gemeinsamen Vater unser, einem Segensgebet und einem gemeinsamen Lied endete die Feier. Alle waren eingeladen, noch zusammen zu bleiben und sich auszutauschen.

Viele äußerten sich dankbar für diese neue Erfahrung einer ökumenischen Agapefeier. Da war ein Stück „Kirche der Zukunft“ zu spüren. Vertreter der evangelischen und katholischen Gemeinde in Höntrop vereinbarten spontan, nach Umsetzungsmöglichkeiten vor Ort zu suchen. Andere Teilnehmer können sich diese Form der Laienliturgie gut in kleineren Gruppen vorstellen. Die Initiatoren würden es begrüßen, wenn die gute Erfahrung dieser ökumenischen Agapefeier zur Nachahmung motivieren könnte.

Burkhard Schönwälder